Die Kunst des klaren Denkens. Sieben philosophische Inspirationsquellen.

Wir sind gewohnt, eindeutige und widerspruchsfreie Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. So sind wir sozialisiert – von frühester Kindheit an. Umgekehrt ist es in den meisten sozialen Kontexten – insbesondere im Business – unpopulär, an den schwierigen Fragen dran zu bleiben, sie immer wieder zu stellen, zu vertiefen und umzuformen.

Genau aber diese Form des Denkens – das Philosophieren – ist heute aber wichtiger denn je. Warum?

  • Weil wir mit großen, entscheidenden Fragen konfrontiert sind – allen voran die Ökologiefrage.
  • Weil die zu lösenden Probleme zunehmend komplex sind.
  • Weil wir für komplexe Fragen differenzierte, ganzheitliche, kreative und gut durchdachte Lösungen brauchen.

 

Philosophie macht einen Unterschied

Welchen Unterschied könnte es machen, wenn wir der Kunst und Praxis des Philosophierens wieder mehr Zeit, Raum und Bedeutung beimessen?

  • Neugierde: Gutes Philosophieren macht Menschen neugierig. Talentierte Philosoph/innen regen uns an, über die Welt, unser Miteinander und uns selbst tiefer, inspirierter und differenzierter nachzudenken.
  • Verstand: Gutes Philosophieren trainiert unseren Verstand. Wir sind in der Lage, besser zwischen Emotion und Verstand bzw. zwischen Gefühlen und wissenschaftlichen Tatsachen zu unterscheiden.
  • Beziehung: Gutes Philosophieren führt zu besseren Beziehungen. Wir lernen, unsere Argumente kultiviert auszutauschen, von- und miteinander zu lernen und die Qualität der jeweils anderen Position zu erkennen.

Ich möchte Ihnen heute 7 Inspirationsquellen präsentieren, die mich in den letzten Jahren

 

1 Herbert Pietschmann

Der Österreichische Physiker, Mathematiker und Philosoph Prof. Dr. Herbert Pietschmann zeigt in seinen Büchern und Vorträgen in exzellenter Art und Weise auf, wie unser Denken zu einer Atomisierung der Gesellschaft (Artikel als PDF) führt. Ich empfehle zur Einstimmung diesen ca. 50-minütigen Vortrag.

Besonders wertvoll sind Pietschmanns Ausführungen zu Aporien und Widersprüchen.

 

2 Yuval Noah Harari

Einer der vielleicht größten Denker unserer Zeit ist Yuval Noah Harari. Zur Einstimmung empfehle ich einige seiner Vorträge, die in großer Zahl auf Youtube verfügbar sind. Und natürlich sind auch seine Bücher höchst lesenswert, um tiefer in seine Gedanken zum Zustand und vor allem zur möglichen Zukunft der Welt einzutauchen.

Besonders wertvoll ist Hararis historische Perspektive auf die Welt.

 

3 Richard David Precht

Im deutschsprachigen Raum ist Richard David Precht wahrscheinlich der mit Abstand bekannteste Philosoph. Seine Popularität und die Massentauglichkeit seiner Gedanken (insbesondere zu Bildungsfragen) haben dazu geführt, dass sich beim einen oder anderen schon eine gewisse Precht-Müdigkeit eingestellt hat.

Nichtsdestotrotz sollte man Prechts Ausführungen zu Bildung, Digitalisierung, Wissenschaft oder dem Umgang mit Tieren kennen. Precht regt an und manchmal auch auf. Und das ist gut so!

 

4 Gary Vaynerchuk

Der nächste Vertreter, den ich Ihnen ans Herz legen möchte, ist kein klassischer Philosoph – sondern ein außergewöhnlich erfolgreicher Internet-Unternehmer: Gary Vaynerchuk. Seine Gedanken und Weisheiten sind überaus praktisch. Gary V bekennt sich dazu, in seinem Leben kein einziges Buch zu Ende gelesen zu haben.

Gary V beschreibt seine Philosophie mit „Clouds and Dirt„. Damit meint er, dass er sich in seinem Denken und Handeln nur auf zwei Dinge konzentriert:

  • Clouds: Das Verständnis für das Große Ganze. Das, worauf es ankommt.  Das Big Picture.
  • Dirt: Das Wissen und Lernen durch praktisches Erfahren und Wiederholen.

Wichtig ist hierbei: Den „Bull****“ in der Mitte lässt Gary V weg. Das ist für ihn alles, was weder inspiriert (Clouds) noch zum konkreten, praktischen Erkenntnisgewinn (Dirt) beiträgt.

 

5 Rolf Dolbelli

Der Schweizer Philosoph Rolf Dolbelli hat mit seinen Büchern „Die Kunst des klaren Denkens„, „Die Kunst des guten Lebens“ oder „Die Kunst des klugen Handelns“ jeweils Bestseller vorgelegt, die Sie gelesen haben sollten.

Zum Einstieg empfehle ich – wie praktisch immer – einige Youtube Videos mit Vorträgen oder Interviews.

 

6 Philosophisches Radio

Die für mich persönlich wichtigste Quelle für philosophische Gedanken war in den letzten Jahren wahrscheinlich das Philosophische Radio des WDR. Hier spricht der hervorragende Jürgen Wiebicke regelmäßig mit klugen Denker/innen über verschiede philosophischen Fragestellungen. Seit vielen Jahren höre ich mir die Sendungen beim Autofahren als Podcast an – einfach grandios.

 

7 Sternstunde Philosophie

Last but not least noch das Äquivalent zum Philosophischen Radio aus der Schweiz – nämlich die Sendung „Sternstunde Philosophie“ des Schweizer Fernsehens (SF). Auch dieses Format besticht mit hochkarätigen Denker/innen, vielfältigen Themen und Fragestellungen und im wahrsten Sinne des Wortes essenziellen Gedanken. Sehr wertvoll!

 

Ich hoffe, Ihre Neugierde und Ihr Interesse für Philosophie geweckt oder neu befeuert zu haben. Vielleicht treten Sie ja bei nächster Gelegenheit dafür ein, sich den praktischen Problemen und Herausforderungen unserer Zeit etwas philosophischer anzunähern. Das bedeutet für mich persönlich u.a. langsamer, substanzieller, widersprüchlicher, aufgeklärter, faktenbasierter, ganzheitlicher und inspirierter.

Ich wünsche gutes Philosophieren!

 

 

 

 

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