Die Zukunft gehört den Denkern, die Dinge hinterfragen.

By 11. August 2018Führung, Wandel

Mein letzter Blogbeitrag hat bei LinkedIn zu einigen Reaktionen geführt. Das habe ich erwartet – denn die Kernaussage war zugegebenermaßen einseitig und hat dadurch wohl den einen oder anderen provoziert. Heute möchte ich die Antithese aufstellen.

Widersprüchliche Zeiten

Wir wissen nicht erst seit VUCA (volatility – uncertainty – complexity – ambiguity), dass wir in widersprüchlichen Zeiten leben. Das, was in der einen Situation (vermeintlich) richtig ist, ist in der anderen Situation genau falsch. Es kommt halt drauf an…

Genau dieses Denken und Handeln in Widersprüchen fällt aber den meisten Menschen schwer. Denn wir sind es gewohnt, dass die Dinge klar sind. Schule muss klar sein. Führung muss klar sein. Entscheidungen müssen klar sein. Dies ist aber häufig eine Illusion.

Der Ursprung für diese Problematik liegt in unserem (westlich geprägten) Denken. Im Blogbeitrag „Mechanistisches vs. ganzheitliches Denken und Handeln“ habe ich einen Vortrag von Prof. Herbert Pietschmann verlinkt, den Sie sich unbedingt anhören sollten. Denn Prof. Pietschmann legt überzeugend dar, auf welchen vier Säulen unser Denken gründet:

  • Alles, was messbar ist, soll gemessen werden.
  • Alles in kleinste Teile zerlegen.
  • Entweder – oder.
  • Ursache – Wirkung.

DAS ist das eigentliche Problem. Wir sind es nicht gewohnt, Widersprüche auszuhalten, sie zu nutzen und sie differenziert zu (durch)denken.

Resonanzfähige Inhalte

Ich habe in den letzten 12 Jahren gut 1.500 Blogbeiträge und unzählige weitere Posts auf sozialen Plattformen wie LinkedIn, Facebook, Twitter oder Instagram verfasst. Ich denke, dass ich behaupten kann, dadurch eine gewisse Intuition für resonanzfähige Inhalte in sozialen Medien entwickelt habe. Eigentlich handelt es sich um die Resonanzmuster in jenem Teil der Gesellschaft, mit dem ich über soziale Medien verbunden bin.

Die meisten Menschen lieben einfache, klare Antworten und Lösungen. Beiträge, die eine vermeintlich vollständige Liste an Regeln, Tipps, Strategien etc. versprechen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf den ersten Blick hat auch mein Beitrag zur Schnelligkeit dieses Kriterium erfüllt. Aber nur auf den ersten Blick.

Denn ich habe mit keinem Satz gesagt, dass das Gegenteil von Geschwindigkeit – nämlich Langsamkeit – nicht auch wichtig wäre. Alle, die das kritisiert haben, haben diesen Rückschluss selbst getroffen. Denn grundsätzlich gilt: Wenn jemand eine Aussage (außerhalb der berechenbaren Naturwissenschaft) macht, sollte man diese IMMER hinterfragen und die Antithese dazu aufstellen.

Denken in Polaritäten

Durch die jahrelange Beschäftigung mit Systemtheorie, Dialektik und Philosophie habe ich gelernt, in Polaritäten und Unterschieden zu denken. Ich versuche immer, mir die jeweilige Aporie oder – wie es Gerhard Wohland bezeichnet – die Einheit der Unterscheidung vorzustellen.

Diese Art des Denkens ist zwar etwas aufwändiger, aber sie führt in den meisten Fällen zu wesentlich besseren Gedanken, Erkenntnissen und Ergebnissen. Mehr noch: Wenn man einige Grund-Aporien eintrainiert hat, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, in komplexen Situationen nützlicher zu denken und zu handeln:

  • Sollte ich jetzt offen, neugierig und empathisch sein? Oder sollte ich Position beziehen, mich abgrenzen oder die Kommunikation abbrechen?
  • Braucht es einen persönlichen Kontakt, ein persönliches Gespräch und Zeit? Oder ist eine andere Kommunikationsform (z.B. digital) ausreichend oder gar nützlicher?
  • Können wir das Problem mit Wissen lösen? Oder braucht es Kreativität, gute Ideen und menschliches Talent?

Die Liste ließe sich noch lange fortführen.

Schnelligkeit braucht Langsamkeit

Ich habe bewusst „Mindfulness“ als Gegensatz zu Speed verwendet. Denn im Kontext des ersten Beitrags halte ich Speed nur dann für nützlich, wenn wir auch Phasen des gründlichen, differenzierten, aufgeklärten, (selbst)kritischen und faktenbasierten Denkens und Handelns haben.

Im Kern braucht es hierfür Menschen, die „bei sich“ sind, die sich selbst gut kennen und reflektiert sind. Ganz im Sinne der Definition eines „intellectuals“ dieses Kollegen:

Fazit

Wir brauchen kritisches, reflektiertes, langsames Denken UND mutiges, konsequentes Handeln.

Live with it.

Stefan Hagen

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