Platon für Unternehmer und Manager5 min read

Philosophie, die Liebe zur Weisheit.

Platon hat als einer der großen antiken Philosophen mit seiner Ideenlehre eine wichtige Grundlage für unsere westliche Kultur geschaffen. Die platonische Idee hat aber nichts mit der Idee – dem spontanen Einfall oder Gedanken – zu tun, wie sie heute umgangssprachlich verstanden wird. Vielmehr geht es Platon um das wahrhafte Sein, die Einheit über der Vielheit, den urbildhaften und vorbildhaften Prinzipen.

Unsere physische Welt ist für ihn ein Spiegelbild der höheren geistigen Welt – der Welt der Ideen. Die höchste platonische Idee ist die Idee des Guten, gefolgt von der Idee des Schönen und des Wahren.

Mehr denn je sollten sich Unternehmer/innen, Manager/innen und Führungskräfte an diesen Ideen orientieren. Denn nur über ihr Gutsein (arete) und ihren tugendhaften Charakter kann das Gute in Unternehmen (Idee = Zweck der Existenz = Sein & Wollen) dauerhaft zur Vorschein und in die Wirkung kommen.

Wichtig für das Verständnis Platons ist, dass die Idee des Guten nicht jener des Schlechten gegenüber steht – dementsprechend auch nicht moralisch gemeint ist. Nur die Idee des Guten (agathón) bringt Erkenntnis und Wahrheit hervor – entsprechend ist es vergleichbar mit Licht, welches das Wesentliche und Echte zum Vorschein bringt. Es ermächtigt das Seiende, das zu sein, was es ist.

Gute Unternehmer und Manager.

In der Europäischen Tradition des Unternehmertums ist das Bild des „Ehrbaren Kaufmanns“ historisch verankert. Nachweislich wurde es bereits im 12. Jahrhundert in Italien und in norddeutschen Hansestädten gelehrt.

Im Zentrum dieses unternehmerischen Leitbildes steht eine humanistische Grundbildung. Ich nenne diesen Ursprung, in Anlehnung an meinen Freund und Kollegen Roger Dannenhauer, eine konstruktive GEISTES-HALTUNG.

Darum geht es jetzt und in Zukunft noch vielmehr. Nur so kann die Transformation in Richtung einer konstruktiven, nachhaltigen Wirtschaft gelingen. Denn das, was neuerdings mit „New Work“ oder „Nachhaltigem Wirtschaften“ bezeichnet wird, braucht konkrete Unternehmer/innen und Manager/innen, die das Richtige erkennen (= Geist) und das Richtige tun (= Haltung). Menschen, die Verantwortung übernehmen und nicht nur davon reden.

Der Weg zu gutem Unternehmertum und Management führt einzig und allein über Selbsterkenntnis. Werde, der Du bist.

Die Idee des guten Unternehmens.

Für mich ist es ein Privileg, unternehmerisch tätig zu sein. Denn als Unternehmer/in kann man seine Idee eines guten Unternehmens jeden Tag realisieren und leben. Das ist häufig hart, herausfordernd und frustrierend. Man enttäuscht andere Menschen und ist auch immer wieder mal enttäuscht von sich selbst. Aber man erfreut sich auch an den gemeinsamen Erfolgen und an dem, was gut gelingt. Denn es gibt kaum etwas Sinnvolleres und Befriedigenderes, als wenn man durch sein Tun Spuren in der Welt hinterlassen kann.

Als Unternehmensberater ist die Idee des guten Unternehmens in zweifacher Hinsicht von großer Bedeutung: a) für das eigene Unternehmen und b) noch viel wichtiger als Leitbild für das, was man tagtäglich bewirken möchte. Nämlich andere Unternehmen darin zu beraten, zu begleiten und zu unterstützen, die jeweilige UnternehmensIDEE noch erfolgreicher zu realisieren.

Daraus haben wir in den letzten Jahren ein Modell für unsere Idee des guten Unternehmens entwickelt. Auf dieser Grundlage denken wir jedes einzelne Unternehmen und Geschäftsmodell.

  1. MARKT: Ausgangspunkt ist immer der Markt und der entsprechende Marktbedarf. Etwas pointierter ausgedrückt: Es gibt Herausforderungen, Probleme und Engpässe in der Welt, die Grundlage für den jeweiligen Unternehmenszweck bilden. Diese gilt es, möglichst gut zu verstehen und zu antizipieren.
  2. IDEE: Die Kern- oder Leitidee eines Unternehmens muss von Menschen entwickelt und getragen werden – in erster Linie von dem/der Unternehmer/in, der Unternehmer-Familie und/oder den Top-Führungskräften. Das erfordert Zeit, besonnenes Nachdenken und regelmäßiges Reflektieren und Hinterfragen. Die Entwicklung einer kraftvollen und ansteckenden Unternehmensidee kann Jahre benötigen. Wahrscheinlich kann und soll man damit auch niemals fertig sein. Klar ist aber: Die Idee macht den Unterschied – sie manifestiert das „Sein & Wollen“ des jeweiligen Unternehmens. Die ist die Kraft- und Energiequelle für die strategische und operative Entwicklung und Umsetzung.
  3. GUTES MANAGEMENT: Richtiges und gutes Management schafft ein Umfeld, in dem Zusammenarbeit ermöglicht wird und in dem sich menschliches Potenzial entfalten kann. Dieses Umfeld muss sich durch Wertschätzung, Verbundenheit, Sicherheit und Nähe auszeichnen – aber auch durch Resultat- und Leistungsorientierung, Disziplin und Konsequenz. „Management ist die bewegende Kraft, wo immer Ziele nur von vielen Menschen gemeinsam durch das Vernetzen von Arbeit und Wissen erreicht werden können.“ (Fredmund Malik)
  4. GUTE ORGANISATION: Die Organisation ist das wichtigste Werkzeug für Unternehmer/innen und Manager/innen, um den Unternehmenszweck dauerhaft und effektiv zu realisieren. Eine schlanke, dynamikrobuste Organisation zeichnet sich dadurch aus, dass sie nur das Notwendigste und Wichtigste regelt und steuert. Speziell in zunehmend dynamischen und komplexen Marktumfeldern ist es von entscheidender Bedeutung, ausreichend Freiräume für die Entfaltung und Nutzung menschlicher Potenziale und Kreativität zu schaffen.
  5. GUTE GESCHÄFTE: Durch die systematische Kopplung von Markt – Idee – Management und Organisation entsteht ein funktionierendes Geschäftsmodell und folglich gute Geschäfte. Gute Geschäfte sind wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch nachhaltig. Sie sind ein Beitrag zu einer besseren Welt.

Wir brauchen wieder eine echte Wirtschafts- und Managementphilosophie. Damit es aber nicht beim abstrakten Philosophieren bleibt, braucht es konkrete Menschen, die unternehmerische Verantwortung übernehmen. Wäre doch eigentlich einfach, nicht?

Stefan Hagen, 1.11.2021

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